Hier findet ihr die archivierten Kommentare früherer Jahre: 2005

Sommertheater

Der Pinguin im Sommerloch
(aus: Killers Rückblicke, Achim Killer, silicon.de)

Es ist doch jedes Jahr wie eine große, bunte Wundertüte. Und was die da wieder alles reingepackt haben, die Journaille und die Politiker - ins Sommerloch! Das sind ja die beiden Berufsgruppen, die's jetzt besonders schwer haben.

Politiker etwa, die sich zu Höherem berufen fühlen, aber niemanden gefunden haben, der wirklich rufen mag, die stehen im Sommerloch immer unter Strom, weil sie nur da den Beweis antreten können, dass es sie noch gibt, beziehungsweise dass es sie überhaupt gibt.

Heuer hat Oskar Lafontaine - den gibt's noch - im Sommerloch und im Spiegel gesagt, dass er den Bundeskanzler für gescheitert hält. In normalen Zeiten hätte das ja keine 3-Zeilen-Meldung abgegeben. Hat doch weder News-Wert, dass Lafontaine das meint, noch dass dem so ist.
Daraufhin hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Kemper erklärt - den gibt's anscheinend auch - man solle den alten Rechthaber aus der Partei ausschließen. Und weil jener sich darüber hinaus noch positiv über eine neue Linkspartei geäußert hat, sieht der SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter das genauso. Der weiß, dass so was geht, hat man ihn doch zu Juso-Zeiten selbst rausgeworfen, weil er sich positiv über die DKP geäußert hatte.
Wobei das Problem mit Lafontaine ja eigentlich so groß nicht sein kann. Dem könnte die Schröder-Partei schließlich auch einfach wegen sozialdemokratischer Tendenzen die Mitgliedschaft entziehen.
Aber das ist es, was Politiker in dieser nachrichtenarmen Zeit so umtreibt.

In den Redaktionen wiederum herrscht Ausnahmezustand, weil die Leute, die für gewöhnlich das Blatt zuschreiben und das meist auch können, jetzt gerade irgendwo in einem preisgünstigen Pauschalurlaub sind. Deshalb müssen da die Chefredakteure ran, obwohl die ja ungern die Arbeit von gewöhnlichen Schreiberlingen tun und sich lieber ebenfalls als Politiker gerieren.
Herausgekommen ist dabei, dass Claus Strunz, der Chefredakteur von Bild am Sonntag, eine Volksabstimmung zur Rechtschreibreform gefordert hat. Und:
"Bild kehrt zurück zur alten Rechtschreibung" - so machte selbiges Blatt zu Wochenbeginn in eigener Sache auf. Ein dankbares Thema!

Und dankbar muss man auch der Bild für diese Headline sein. Weil: Von alleine kommt man da ja nun wirklich nicht drauf. An den von Bild für wichtig erachteten Meldungen (vom Montag) jedenfalls ist nicht erkennbar, ob sie jetzt alt oder neu geschrieben sind.
"Britney kauft ihr den Mann ab", einer gewissen Shar Jackson. (Kevin Federline heißt der Mann.) Oder: "Klinsmann-Hammer: Kahn bangt um WM". Und:
"Hier kommt der erste Ossi-Ferrari", der Apollo der MGM Sportwagen Manufaktur Altenburg. Eigentlich war der überschaubare Wortschatz von Deutschlands auflagenstärkstem Blatt doch schon immer eher resistent gegen diffizile philologische Überlegungen.
Was natürlich erst recht für das Wichtigste auf der Titel-Seite gilt, das "Girl von Seite 1", eine von hinten fotografierte, junge, blondierte Frau mit kurzem und zudem hochgeschobenem Rock. BU: "Echte Po(p)-Art". Wer mag da an Orthographie denken.

Ein Sommerthema halt (die Rechtschreibreform). Die Tage werden aber auch wieder kürzer und die Röcke länger. Deshalb: Interessanter noch als die Schreibung altbekannter Wörter ist die Bedeutung neu-kreierter Begriffe.
Auch davon entstehen ja viele im Sommerloch.

So hat der bayerische Ministerpräsident dieser Tage erklärt, dass Monika Hohlmeier bleibt, solange er Kabinetts-Chef ist. Die Kultusministerin soll unwillige Parteifreunde mit Dossiers über ihre Verfehlungen, gesammelt in einem grünen Plastik-Ordner, unter Druck gesetzt haben.
Die Computerbranche müsste ihr dafür dankbar sein, wäre doch dadurch ein- für allemal klargelegt, dass ein Big Brother keine großen Datenbanken und Hochleistungsrechner braucht. Der Schnellhefter einer kleinen Tochter könnt's auch tun.
Aber aus der Entourage des Ministerpräsidenten - bedeutende Politiker sagen schließlich nicht, sondern lassen sagen - da verlautet, die Aussage von Edmund Stoiber sei "wenig belastbar". Ein interessanter Begriff, ungeachtet seiner Schreibung. "Halt so daherg'red't" ist sicherlich ein nur unzulängliches Synonym.
Der CSU-Vorsitzende soll ja sogar damit gedroht haben, den skandalträchtigen Münchner Stadt-Verband seiner Partei aufzulösen. Der bayerische SPD-Landesvorsitzende - auch den gibt's, Ludwig Stiegler heißt er - müsste sich bei einem entsprechenden Vorhaben schon sehr beeilen, bevor das Unterfangen mangels verbliebener Mitgliedermasse scheitert.

Trotzdem hat München ja immer noch eine SPD-geführte Stadtregierung. Und die hat die schönste Sommerloch-Meldung generiert, weil sie zeigt, dass man auch mit IT-Themen die nachrichtenarme Zeit überbrücken kann.
Der grüne Münchner Stadtrat Jens Mühlhaus - doch, auch den gibt's - der hat den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude - den gibt's nun aber wirklich - aufgefordert, die Risiken des kommunalen Linux-Projekts noch einmal zu überprüfen.
Deshalb ist der Durchmarsch von Tux in den Münchner Amtsstuben vorerst einmal gestoppt worden. Allerdings nicht, weil die weiß-blauen Rot-Grünen darüber uneins wären. Der Stadtrat wollte vielmehr nur öffentlichkeitswirksam darauf drängen, dass die politisch gleichfarbige Berliner Koalition im Streit zwischen den Europäern in EU-Parlament und Ministerrat sich zugunsten einer Open-Source-freundlichen europäischen Patentgesetzgebung einsetzt.
Die Linux-kritische CSU hat daraufhin den Grünen-Antrag bezüglich der Risiken weitgehend abgeschrieben und selbst gestellt. Worauf Joachim Wuermeling, ein - gleichfalls existierender - Europapolitiker dieser Partei, der sich ansonsten für ein Patentwesen im Interesse der Software-Konzerne stark macht, erklärt hat, besagte Risiken gäbe es gar nicht.

Um auf all so was zu kommen, genügt ein bloßer Sommer nicht. Dafür braucht's mehr: Biergartenwetter!

Und an der an entsprechenden Tagen zentralen Größe kann man auch erkennen, wie nötig die Rechtschreibreform doch war: Die "Mass", die als solche sicherlich an der Entstehung der einen oder anderen Sommerloch-Geschichte maßgeblich beteiligt war, ist dadurch auch in der geschriebenen Sprache eindeutig von eher phantasie-hemmenden Begriffen wie "mäßigen" und "maßvoll" zu unterscheiden.

Braucht Deutschland solche Helden?

Pünktlich zum 60ten Jahrestages des Attentats auf Hitler durch Männer aus dem Umfeld des Kreisauer Kreises bricht in Deutschland eine neue Diskussion unter Historikern aus: Können die Attentäter deutsche Vorbilder sein?

Der Kreis scheint sich zu schließen. Was als "Aufstand des Gewissens" in die deutschten Geschichtsbücher eingegangen ist, war nie dazu geeignet, einen problemlosen Umgang damit zu gewähren. Nach dem Krieg galten die Verschwörer des 20. Juli in den Köpfen vieler Deutscher noch lange als Verräter, die Deutschland in der Not des Krieges in den Rücken gefallen waren. Die Witwen und Hinterbliebenen erhielten keine Renten und Versorgungsleistungen des Staates, da die Attentäter ja als rechtskräftig verurteilte Verbrecher hingerichtet wurden. Erst langsam wurden die "Verräter-Zöglinge" zu "Helden-Kindern", als sich die Einsicht durchzusetzen begann, dass es Hitler und seine Nationalsozialisten waren, die die Deutschen verraten hatten.

Der 20. Juli wurde zum zentralen Punkt in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, aber auch zum Feigenblatt der Deutschen, zum Beweis dafür, dass nicht das ganze Volk blutdürstig und verblendet war. Es gab sie, die Helden, die sich dem Bösen widersetzten. „Wir haben uns vor Gott und unserem Gewissen geprüft, es muss geschehen, denn dieser Mann ist das Böse an sich.“ So begründete Claus Schenk Graf von Stauffenberg sein Handeln und die Beweggründe seiner Mitverschwörer. Und an den Männern des 20. Juli sollte sich auch die deutsche Volksseele wieder aufrichten können und die kollektive Scham des verschuldeten und verlorenen Krieges überwinden.

Aber die Deutschen wären nicht die Deutschen, wenn solche Vorbilder unwidersprochen bleiben würden. Kein Showstar, dessen wilde und "dunkle" Vergangenheit nicht ans Licht gezerrt würde, kein Spitzensportler, dessen Privatleben nicht aufs genaueste unter die Lupe genommen würde, kein Politiker, bei dem nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt würde. Der Deutsche (und hier wohl besonders der deutsche Historiker) hat die kollektive Scham, die auf uns liegt, so verinnerlicht, dass der dadurch erzeugte zwanghafte Minderwertigkeitskomplex es absolut verhindert, Personen, die etwas leisten oder geleistet haben, dafür zu würdigen. Es ist wohl weniger der viel zitierte Neid, der in Deutschland hierzu führt. Es ist diese verinnerlichte Überzeugung, dass ein Deutscher nichts leisten kann, wofür man Stolz sein kann und darf. Deutschland hat zwei Weltkriege verschuldet (und hier sollte man über die Hintergründe von WWI, die Ursachen und die Schuldfrage wirklich ausgiebig diskutieren), aus Deutschland kann nichts gutes kommen. Große deutsche Sportler? Da muss Doping im Spiel sein, oder zumindest eheliche Untreue, die uns gestattet, dieses Vorbild wieder vom Sockel zu stoßen. Große deutsche Politiker? Historische Wiedervereinigung hin oder her, kein "Ehrenwort" ist klein genug, dass darüber nicht die objektiven Verdienste eines Mannes (über den man politisch und persönlich denken mag, was man will) in den Schmutz ziehen könnte. Diese Liste könnte sich beliebig verlängern und erweitern lassen.

Und nun die Helden des 20. Juli! Da in Deutschland keine Helden unwidersprochen existieren dürfen, muss also auch hier die Schwachstelle gefunden werden. Und in diesem Falle war es ja besonders einfach. Nachdem diese Helden den Makel des Verrates nach dem Krieg hinter sich lassen durften, entdeckte jetzt ein Historiker, dem die Gnade der späten Geburt widerfahren war, endlich den nicht leugbaren dunklen Fleck: es waren doch alle Mittäter, oder doch zumindest Mitwisser des Regimes, dass sie beseitigen wollten!

Kurz ein Wort zur "Gnade der späten Geburt". Einst prägte Helmut Kohl diesen Ausdruck und wurde dafür belächelt, aber auch heftig gescholten und kritisiert. Er wolle sich aus der deutschen Kollektivverantwortung stehlen, wurde ihm vorgeworfen. Ich aber denke, man hat ihn (bewusst oder unbewusst?) falsch verstanden. Die "Gnade" lag nicht darin, so spät geboren zu sein, dass man mit den Geschehnissen nichts zu tun hatte. Die "Gnade" war, so spät geboren worden zu sein, dass man davor bewahrt wurde, sich ebenfalls schuldig zu machen. Denn wer zu dieser schrecklichen Zeit lebte, hatte nur diese Wahl: Opfer oder (im weitesten Sinne) Täter sein. Viele gingen den Weg vom Opfer zum Täter. Viele aufrechte Deutsche, die keine Anhänger der Nazis waren, wurden unterdrückt, bedroht. Und schwiegen daraufhin, trotz besseren Wissens um das, was hier in Deutschland wirklich geschah. Auch Schweigen ist eine Tat, die zu Bösem geführt hat. Und nun spricht also dieser Historiker, den die Gnade der späten Geburt davor bewahrt hat, Sympathisant oder Mitläufer der Nazis zu werden, davon, dass diese falschen Helden entmystifiziert werden müssten, da sie doch Mittäter, zumindest aber Mitwisser der Nazis waren.

Natürlich hat er in der Schilderung der Fakten recht. Natürlich zählte die deutsche Wehrmacht insgesamt zu den Mittätern, wobei man die Tiefe der Verstrickung des Einzelnen dabei nicht pauschal behandeln darf! Natürlich war besonders die Leitung der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront, aus der sehr viele Verschwörer hervorgegangen sind, stark in den "Partisanenkampf" gegen die russische Zivilbevölkerung beteiligt. Natürlich hatten hier Personen wie Henning von Tresckow und Carl Heinrich von Stülpnagel von schrecklichen Verbrechen nicht nur gewusst, sondern diese auch mit zu verantworten. Natürlich wussten die Verschwörer um die Gräuel des NS-Regimes, waren also Mitwisser. Dieses Wissen war es doch gerade, dass den Schritt zum "Verrat" und "Eidbruch" erst möglich machte. Nur weil sie davon wussten, waren sie bereit, alles zu unternehmen, um dem Schrecken ein Ende zu setzen. Um Deutschland zu retten! Denn das war das erklärte Ziel. Die Verschwörer waren zuerst Patrioten, erst dann - und eigentlich nur deshalb - Gegner des NS-Regimes.

Genau das wird nun auch einem von Stauffenberg zum Vorwurf gemacht. Einige Historiker betonten, dass Stauffenberg aus den Denkvorstellungen des Obrigkeitsstaates heraus seinen Weg in den Widerstand gesucht und bis in die letzten Wochen vor dem Attentat noch in der Sicherung einer deutschen Hegemonialstellung in der Mitte Europas ein wichtiges Ziel seiner Bestrebungen gesehen hätte. Aber kann man ihm das wirklich vorwerfen?

Dass Stauffenberg scheiterte, lag nicht an ihm, sondern an seinen Kameraden, die sich am Abend des 20. Juli auf ihre Eidbindung an Hitler besannen und Stauffenberg verrieten. Der Widerstand wollte die Deutschen von Hitler befreien - ohne Zweifel wäre danach um die Gestalt Deutschlands gerungen worden. Wie sie ausgesehen hätte, wissen wir nicht - vermutlich aber nicht das demokratische Deutschland, das wir heute kennen. Stauffenberg nun zum Symbol des Rückwärtsgewandten zu machen, weil er aus den Horizonten seiner Zeit handelte, wäre unhistorisch. Ebenso leichtfertig wäre es, ihn zum Träger der freiheitlichen Grundordnung zu erhöhen. Diese Ordnung ist nur ein Resultat der Niederlage.

Stauffenberg hat sich, allen Kritikerrufen zum Trotz, inzwischen einen Platz im Gedächtnis vieler Deutscher gesichert, auch und gerade in seiner Widersprüchlichkeit. Er und seine Freunde glaubten an ein "anderes Deutschland". Deshalb ist die Erinnerung an den Widerstand wichtig. Denn den Opfern nationalsozialistischer Herrschaft wurde bewusst, dass es ein anderes Deutschland gab, das andere Werte verkörperte als die von den Nationalsozialisten proklamierten. Der Widerstand zeigte, dass es Kräfte in Deutschland gab, die sich dem Nationalsozialismus widersetzt hatten. Sie waren es, die den Deutschen die Rückkehr in den Kreis der zivilisierten Nationen erleichterten. So gesehen, war das Scheitern des Anschlags historisch folgenreich und keineswegs erfolglos.

Es bleibt die Frage nach der Vorbildfunktion der "Verschwörer". Liegt die Antwort auf diese Frage nicht in der Menschlichkeit der handelnden Personen? Alle haben Fehler begangen, schreckliche Fehler, teilweise unverzeihliche Fehler. Aber sollte man einem Menschen nicht zugestehen, aus den Fehlern, die er macht, zu lernen? Sich zu ändern? Zu versuchen, mit seinen Taten die begangenen Fehler rückgängig zu machen oder zumindest weiter Fehler und Gräueltaten vermeiden zu helfen? Vom Saulus zum Paulus zu werden? Paulus gilt heute als einer der großen Heiligen der katholischen Kirche und ist zum Sinnbild des Wandeln von Böse zu Gut geworden. Muss Paulus aus der Kirche als Vorbild verstoßen werden, weil er einst Saulus war?

Die Taten zeigen den wahren Wert des Menschen, nicht seine Worte. Und die Männer des 20. Juli waren bereit, bis zum letzten alles zu geben, um Deutschland und die Welt vor weiterem Unglück zu bewahren, wohl wissend um die Gefahr für Leib und Leben, für sich und ihre Angehörigen! Den Weg vom Täter zum Opfer einzuschlagen! Spricht dies nicht deutlich genug für sie? Es waren nur Menschen, mit Fehlern, keine Heilige. Und selbst die Heiligen haben ihre Vergangenheit!

Es ist Zeit, dass etwas getan wird.
Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein,
dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird.
Unterlässt er die Tat, so wird er zum Verräter vor seinem eigenen Gewissen.
Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Frühsommer 1944

Europa spricht Griechisch

Toooor!!! Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem "Wunder von Bern" das "Wunder von Lisabon"! Und wieder ist Deutschland maßgeblich beteiligt, diesmal aber leider nur in der Gestalt des Trainers. Fußball-Europa spricht Griechisch!
Sensationeller Erfolg der griechischen Nationalmannschaft unter Trainer Rehakles bei der Euro 2004 und die Griechen in der Welt im kollektiven Freudentaumel. Deutschland dagegen ein chaotisches Tal der Tränen: die Nationalkicker nach mittelprächtiger Leistung in der Vorrunde berechtigt ausgeschieden, das Team nach Rudi Völlers (überstürztem?) Rücktritt ohne Teamchef, das DFB-Präsidium kurz vor der Revolution gegen den Chef MV "Mayer-Formfehler", nachdem der die selbstherrlich zur "alleinigen Chefsache" erklärte Suche nach einem Nachfolger für Völler absolut vergeigt hat, die WM 2006 im eigenen Lande bedrohlich nahe vor der Tür..

Jetzt werde die Rufe immer lauter, Otto Rehagel solle nach seinem Erfolg mit der Griechen-Elf die deutsche Truppe 2006 zum Sieg führen. Radiosender rufen ihre Hörer auf, für Otto anzurufen und ihn zu überzeugen, bekannte Printmedien mit wenigen Buchstaben im Titel starten Kampagnen für Rehagel.

Ist Otto Rehagel die Lichtgestalt, die den deutschen Fußball retten kann?

Wie sieht die Bilanz seiner herausragendsten Erfolge aus:

Werder Bremen führte er 1988 und 1993 zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft, 1992 zum Sieg im Europapokal der Pokalsieger. Bremer war Zweitligist, als Rehagel 1981 den Trainerposten übernahm und Otto formte er im Laufe von vierzehn Jahren "ein Reich, das im deutschen Fußball zu einer Institution wurde", wie der Berliner Tagesspiegel seinerzeit schrieb. Aber: 14 Jahre!

Nächste Erfolgsstation wurde Kaiserslautern! Hier gelang ihm 1998 ein wohl einmaliges Kunststück: Mit einem frisch gebackenen Aufsteiger direkt in der neuen Saison Meister zu werden!

Und jetzt Griechenland: innerhalb von drei Jahren formte er aus einer zerstrittenen Ansammlung von Solo-Künstlern und Einzelgängern eine Mannschaft, die vor allem eben durch die geschlossene Mannschaftsleistung gegen alle Vorhersagen den Sieg bei der Euro 2004 erringen konnte.

Alle diese Erfolgsstationen haben eines gemeinsam: Rehhagel hatte die volle Unterstützung des Vereins und eine Mannschaft, die dem schrulligen Fußballguru willig folgte. Die Spieler akzeptierten seine Übervatermentalität und dankten es ihm mit vollem Einsatz.

Was aber passiert, wenn die Unterstützung von Verein/Verband und Mannschaft nicht vorliegt? Das zeigt das Debakel beim FCB. Sein Gastspiel in München wurde ein Fiasko, ein großes "Missverständnis". Der Medienfresser ("Jeden Handstand mache ich nicht mit, auch wenn wir uns an die Medien verkauft haben") kam im Glamourverein Bayern München nicht zurecht, zudem hatte er in Beckenbauer, Hoeneß und Rummenigge Vorgesetzte, die auch in den sportlichen Angelegenheiten mitzureden versuchten. Obwohl sich die Erfolge durchaus sehen lassen konnten, wurde ihm nach drei erfolglosen Heimspielen schmachvoll gekündigt.

Wie aber würde das nun beim DFB aussehen? Zum einen hätte Rehagel mal gerade nur 2 Jahre, um die Mannschaft auf Vordermann zu bringen. Das ist eine fast übermenschliche Aufgabe, für die Otto tatsächlich die Unterstützung aller Götter des Olymps benötigen würde. Dann ist auch Mayer-Vorfelder ist ein "Chef", der sich nur zu gerne einmischt, weil er sowieso alles besser weiß. Das musste ja auch Rudi Völler erfahren, dem MV bei der Euro 2004 in die Mannschaftsaufstellung hinein redete und dann höchstpersönlich die Umsetzung seiner "Anregungen" beim Mannschaftstraining überwachte. Hierin liegt wohl auch die tiefere Ursache von Rudis doch überraschendem Rücktritt.

Zudem liegt die DFB-Mannschaft zwar am Boden, besteht aber nach wie vor aus "Stars", die sich von dem "demokratischen Diktator" Rehagel nicht gerne etwas sagen lassen, geschweige denn sich das Fußballspielen neu beibringen lassen würden. Außerdem sieht ein Planspiel des Focus (Ausgabe27, Juni 2004) den "FC Bayern Deutschland" als deutsche Nationalmannschaft, mit Spieler vom FCB auf 9 von 11 Positionen. Und wie Rehagel mit Spielern aus diesem Stall zurecht kommt, hat man ja schon gesehen.

Darüber hinaus: die deutsche Mannschaft wäre auch jenseits all dieser Schwierigkeiten nie in der Lage, das taktische System Otto Rehagels so umzusetzen, wie es die Griechen getan haben. Eine solche Spielweise wäre einer deutschen Nationalmannschaft nicht beizubringen.

UND: der deutsche Nationaltrainer muss Medienprofi sein! Otto's Vorteil in Griechenland: er versteht die Presse und die Presse versteht ihn nicht. Also konnte er dort ungestört und unangefeindet arbeiten. Darum wird bei uns ein Skippe nicht Cheftrainer, obwohl er fachlich dazu in der Lage wäre. Aber die Medienprofessionalität fehlt. Und die ist Rehagel auch abzusprechen. Nicht weil er es nicht könnte, nicht weil er (wie bei Skippe) keine passende Ausstrahlung hätte. Nein, weil er schlichtweg nicht will. Siehe seine Zeit beim FC Hollywood. Was passiert, wenn man an dieser Front Fehler macht, kann man am Schicksal von Sir Erich Ribbeck ablesen!

Otto Rehagel ist nur zu wünschen, dass er der Verlockung des Titels "Bundestrainer" widerstehen kann. Er könnte nur verlieren. Jetzt auf den Höhen des Fußball-Olymps, dann evtl. der Buhmann nach dem Ausscheiden als Gastgeber in der Vorrunde der WM 2006. In Griechenland ein Nationalheld, bei uns jetzt hochgelobt und vielgeliebt, aber bei der ersten Niederlage auch vielgescholten und verdammt. Otto, tu's nicht!

Wie aber soll's dann mit dem deutschen Fußball weiter gehen?

Ein ausländischer Supertrainer wie Arséne Wenger? Hätte den Charme, dass sein Deutsch gut genug ist, um von den Spielern verstanden zu werden, aber auch schlecht genug, um unbehelligt von der Presse arbeiten zu können. Aber warum sollte Wenger sich das antun?

Eine andere Möglichkeit wäre da vorzuziehen: weg mit MV an der Spitze des DFB und Rücktritt vom Rücktritt von Völler! Rudi, mach's noch mal! Du hast das Format, du kennst deine Pappenheimer und für uns bist du "unbefleckt" genug, um die Nationalmannschaft zur WM 2006 zu führen!

Es ist schon wieder passiert!

(Bericht: T-Online, 17. Juni 2004)

Jetzt hat auch Brasilien sein "Nippelgate" - einen Skandal um nackte Brüste: Bei der Eröffnungsgala der brasilianischen Modewoche in Sao Paulo präsentierte Topmodel Naomi Campbell die knappen Kreationen der Marke "Osklenen". Doch so professionell Naomi auch lief, das Oberteil ihres Mini-Bikinis verrutschte dabei so (un)glücklich, dass das ohnehin nur spärlich bekleidete Supermodel unfreiwillig noch mehr Haut zeigte, als ursprünglich vorgesehen. Eine schnelle Drehung und es war passiert - der Bikini verlor an Haftung und alle Besucher konnten sehen, was normalerweise von einem Bikini verdeckt werden sollte. Für Besucher und Fotografen war die Mode plötzlich Nebensache - und die Modewoche hatte ihren ersten Hingucker. Die Bilder sind eine wahre Attraktion - doch sehen Sie selbst!

Kein zweites Nippelgate
Gut, dass die Modeshow in Sao Paulo nicht in die Vereinigten Staaten übertragen wurde. Dort hätte der Zwischenfall einen handfesten Skandal ausgelöst: Ein zweites "Nippelgate", beim dem der Sängerin Janet Jackson in der Halbzeitpause des diesjährigen "Super Bowl"-Spiels Brust entblößt wurde. Vor den Augen von 89 Millionen US-Fernsehzuschauern hatte Timberlake während eines gemeinsamen Duetts ihr schwarzes Leder-Bustier aufgerissen - angeblich völlig unbeabsichtigt und überhaupt nicht geplant. Was als Super-Showeinlage gedacht war, ging ordentlich nach hinten los: Die halbe Nation zeigte sich entrüstet über den ungeheuren Vorfall zu bester Sendezeit, und Justin und Janet mussten sich in verschiedenen Talkshows mehrfach für den Fehlgriff entschuldigen. Derartige moralische Verwirrungen sind den Brasilianern fremd.

Brasilien nicht prüde: Streifen-Bikini (Foto: dpa)

Schon lange gilt die Fashion Week in der brasilianischen Millionen-Metropole Sao Paulo als das Maß aller Dinge, wenn es um Bademode geht - Brasilien gibt in diesem Bereich den Trend an. Kein Wunder, denn an der Copacabana, Brasiliens berühmtesten Strand, wird schon lange die Mode gemacht. Dort gilt: je knapper, desto besser. Ob allerdings das Vorbild von Naomi dort Schule macht, ist fraglich: Winzig dürfen die Stoffteilchen des Bikinis ja sein - oben ohne ist aber verpönt.